Die Glas-Manufaktur

Wurzeln des Zifferglases

Der Auftrag Ende der 90-er Jahre, das größte komplett vergoldete Gebäude der Welt zu vergolden, war eine technische Herausforderung, die auf Neuland im Bereich der Glasforschung führte. Es musste eine Glasbeschichtung gefunden werden, die mit Gold eine Haftung eingeht, ohne das Gold im Glas zu absorbieren. Eine Aufgabe, die 10 Jahre zuvor schon von einem der weltweit größten Glashersteller angegangen, dann aber nach Jahren der Forschung wieder aufgegeben worden war. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Glas, um somit die Goldbeschichtung des Matrimandir dauerhaft zu schützen, führte nicht nur zu einem tiefen Wissen, sondern auch zu einer Wertschätzung des Materials.
Die Geschichte des Glases liest sich wie ein Märchen aus Tausend und eine Nacht. Glas ist ein durch und durch mystisches Material, so wie Diamant. Glas wurde von den Ägyptern erfunden, sozusagen als Nebenprodukt des Pyramidenbaus. Die Schiffer des Nils, welche Kalksteine aus dem gebirgigen Süden Ägyptens zu dem Pyramiden im Norden brachten, fanden diesen eigenartigen „Edelstein“ in ihren Lagerfeuern, und waren sehr bald in der Lage diesen neuartigen Stein selbst herzustellen.
Die Pyramiden der alten Ägypter sind nicht nur sakrale Gebäude wie Tempel, welche in jeder Kultur auftauchten und noch auftauchen. Die Pyramiden ragen heraus aus dem Reigen aller antiken Gebäude, oder aller Gebäude überhaupt. Man weiß bis heute eigentlich noch nicht einmal warum sie überhaupt gebaut wurden. Alles was man weiß, ist, dass sie für die Pharaonen das Tor zur anderen Welt waren, von wo aus diese den Weg ins Jenseits antraten. Alles Weitere ist und bleibt ein Geheimnis.
Die Tatsache, dass ein neuer Werkstoff aus den Aktivitäten um diese mystischen und geheimnisumwobenen Bauwerke entsteht, hat seine Bedeutung. Wenn sich etwas so gewaltiges wie die Pyramiden manifestiert, dann sind Kräfte und Prinzipien am Werk, die nicht nur ein enormes Durchsetzungsvermögen besitzen, aber auch eine enorme unsichtbare Substanz: ein okkultes Wissen, eine zugrundeliegende Öffnung zu anderen Welten, eine Verbindung zu Kräften, die wir nicht kennen. Im Umfeld dieser Manifestation sind sicherlich viele noch unbekannte Elemente, die mit aufgewirbelt werden und welche, wenn man es versteht sie zu erfassen, ihre eigene Identität entwickeln. Die Entdeckung des Glases ist eines jener „Nebenprodukte“ der Pyramiden.  Die Tatsache, dass das Glas seinen Einzug in diese Welt im Gefolge der ägyptischen Pharaonen und ihrer Pyramiden vollzog, weist auf eine innere Nähe zu diesen Projekten hin.
Mit anderen Worten, Glas ist ein „mystischer Werkstoff“. So hat denn auch Glas, ähnlich wie der Diamant, viele chemische und physikalische Besonderheiten. Glas ist, von seiner Molekular-Struktur her gesehen, kein fester Werkstoff. So ziemlich alle Materialien haben drei sogenannte „Aggregats-Zustände“: Fest, flüssig, gasförmig. Glas ist, physikalisch gesehen, eine Schmelze, also eine Flüssigkeit, obwohl es fest ist. Es ändert auch über lange Zeiträume seine Form. So sind die Farbglas-Scheiben an den alten Kirchenfenstern von Notre Dame oder anderen mittelalterlichen Bauwerken im unteren Bereich dicker als im oberen, weil das flüssige Glas, obwohl es fest ist, immer noch fließt. Nur braucht es dazu eben sehr lange. In gewisser Weise ist Glas eine Flüssigkeit, deren Zeit stehen geblieben ist. Als Flüssigkeit ist es denn auch transparent.
Je mehr die Forschung für das Matrimandir an der Verbindung von Glas zum Gold voran schritt, umso mehr wuchs die Begeisterung für dieses Material. Und so wurde zum Abschluss der Arbeiten am Matrimandir klar, dass man das Erlernte und lieben Gelernte nicht einfach beiseitelegen konnte, sondern dass man in Zukunft in zwei Bereichen aktiv sein würde: mit Diamanten und mit Glas. Die Firma Gold-in-Glas in Pondicherry wurde gegründet, und arbeitet heute als 100%-ige Tochter von Aditi Diamonds. So entstand eine Glasmanufaktur, die in ihrem Wissen und ihrem Können mit an der Spitze der weltweiten Glaskunst steht.
Die Kunst, Glas herzustellen, war wohl eines der meistgehüteten Staatsgeheimnisse des ägyptischen Reiches und zunächst natürlich ein Staatsmonopol. Als die Archäologen um Howard Carter 1922 den Sarkophak Tut-Ench-Amuns öffneten, fanden sie an der linken Hand der Mumie des jungen Königs zwei Ringe. Ein massiver Goldring mit einer sogenannten „Kartusche“ und ein Ring mit dem wertvollsten Edelstein Ägyptens: mit Glas. Die Tatsache, dass der Ring des Pharaos mit blauem Glas gearbeitet war und nicht mit Lapis Lazuli, beweist, dass Glas in der damaligen Zeit wertvoller war als Lapis.
Die ersten zweitausend Jahre, also fast die Hälfte seiner Geschichte, diente Glas vornehmlich als Edelstein oder Schmuck. Gold und Glas, das waren über viele, viele Generationen die beiden wertvollsten Wirtschaftsgüter im alten Ägypten. In ihrer Kombination, als Schmuck verarbeitet, waren sie über Jahrtausende das Begehrteste, was sich die Völker des ägyptischen Reiches vorstellen konnten. Wie die Ringe Tut-Ench-Amuns und etliche andere Funde belegen, erreichten die alten Ägypter in der Verarbeitung von Glas eine Vielfalt an Farben und eine Kunstfertigkeit, die wir heute teilweise gar nicht mehr besitzen.
Die lange Zeit seiner Geschichte, die das Glas, in Gold gefasst, als begehrter Edelstein, verbrachte, hat im okkulten Umfeld von Glas sicher seine Spuren hinterlassen. Jeder Werkstoff trägt mit sich eine Aura dessen was er bewirkt hat. Die Wurzeln des Glases, seine Entstehungsgeschichte  im alten Ägypten, in einer der größten mystischen Kulturen der Antike, seine Stellung als vermutlich teuerstes Wirtschaftsgut über lange Zeit an den Höfen der Pharaonen, seine Nähe zum Gold, alles das, ist nach wie vor im Glas enthalten.
Die Kombination von Gold und Glas zum Zwecke der Innendekoration erfuhr im alten Byzanz, vermutlich um 200 nach Christi Geburt, seine erste große Blüte. Seit dem man Gold verarbeitet, versucht man den Effekt des Goldes so groß wie möglich zu gestalten. Reines Gold ist so weich, dass man ein Gramm Gold zu einer Fläche so groß wie eine Tischplatte aushämmern kann. Schon im alten Ägypten waren Ringe und andere Schmuckstücke oft aus Blattgold gefertigt, welches einen massiven Kern aus Harz umschloss. Die Herausforderung an die Goldschmiede war stets: wie kann ich mit möglichst wenig Gold die größte goldene Fläche darstellen, ohne dass das Gold instabil wird und sich zu leicht beschädigen lässt. Die Byzantiner hatten hier eine geniale Idee. Sie stellten Gold-Mosaikkacheln her, bei denen Blattgold mit Glas überzogen war.
Das Problem bei diesem neuen technischen Verfahren war nur folgendes: Glas absorbiert im geschmolzenen Zustand Metalle. Würde man flüssiges Glas auf Blattgold gießen, würde das Gold einfach im Glas absorbiert und optisch verschwinden. Dieses Problem lösten die Byzantiner durch ein spezielles, schnell schmelzendes Glas, dem sogenannten Glasfluss. Glasfluss ist reich an Alkalien und wird dadurch schon bei sehr niedrigen Temperaturen flüssig. Damit konnte man Blattgold übergießen, ohne dass das kalte Gold vom Glas absorbiert wurde. Der Nachteil: Glasfluss ist nicht wasserbeständig und die Gold-kacheln konnte man nur im Innenbereich einsetzen. Dort jedoch verändern sie sich über die Zeit kaum. Heute, fast zweitausend Jahre später, kann man die ersten Glas-Gold-Glas-Kacheln immer noch in einer der frühchristlichen Basiliken in Istanbul bewundern.
Das Ergebnis der 3-jährigen Forschung an der Glas-Vergoldung des Matrimandir war eine Goldkachel, bei der im Vakuumverfahren Goldfolie in Glas eingeschmolzen wird. Mit diesem Produkt wurde das Problem, eine dauerhafte Vergoldung von 4500 Quadratmetern vergoldeter Fläche in tropisch-salinem Klima, gelöst. Gleichzeitig entstand eine neue Kunstform aus Glas und Gold, die ihre eigene Identität entwickelt.
Auch wenn die Mystik seiner Entstehung und seiner drei Jahrtausende alten frühgeschichtlichen Phase heute in Vergessenheit geraten ist, und auch wenn die meisten Menschen heute Glas vornehmlich als technischen Werkstoff ansehen, so hat Glas immer noch dieses magische Element und eine eigenartige Anziehungskraft auf den Menschen. Es gab und gibt in der modernen Zeit nur einige wenige Manufakturen, die aus dieser Tiefe des Glases schöpfen konnten und können, wie die venezianische Glaskunst, das Murano-Glas, Tiffany-Glaskunst, die alte böhmische Kristallglaskunst, die Pate-Verre-Kunst, die bayrische Glasbläserkunst und die Kunst Glas mit Gold zu verbinden,
die Kunst von Gold-in-Glas.
Gold-in-Glas versteht sich als eine handwerkliche Stilrichtung, welche nicht nur auf einem neuen technischen Element – der Vakuumverschmelzung von Gold und Glas – aufbaut. Gold-in-Glas beinhaltet zwar das derzeit modernste Glas-Fusing-Verfahren. Aber die ästhetische Komponente der Gold-in-Glas Kunst wurzelt in der Tradition der antiken Glaskunst. Die Kombination der beiden Elemente Gold und Glas, wie sie in der Inneneinrichtung im alten Byzanz vor 2000 Jahren vorkam, ist ein Stilelement, das seine Wurzeln sowohl in der modernen Zeit, als auch in der Antike hat.
Dies drückt sich auch in allen Kunstwerken der Gold-in-Glas Handwerkskunst deutlich aus. Ob als Schmuck oder als Innendekor, als Fassadenelement oder als Gegenstand des täglichen
Lebens, ein ägyptisches oder orientalisches Flair in der Stilrichtung ist für jeden sensiblen und kunsterfahrenen Menschen sofort spürbar. 
Heute produziert ein eingespieltes Team in Gold-in-Glass, unter der künstlerischen Führung eines Schweizers, der technischen Führung eines russischen Ingenieurs und eines Deutschen, nicht nur Goldkacheln für Tempeldächer. Auch hochwertigstes Geschirr aus reinem Gold und Glas, Schmuck aus farbigem Glas in Verbindung mit Gold und viele andere Artikel der Glaskunst werden in Pondicherry produziert. 
Die klassische Goldkachel, so wie sie am Matrimandir verwendet wurde, hat inzwischen ihren Weg auf die Dächer indischer Tempel, in Korridore, Swimmingpools und Bäder von Villen auf Ibiza, in Fassadenelemente von Hotel-Lobbies und Konferenzräumen weltweit gefunden.
Die Entwicklung des Zifferglases ist kein Schnellschuss, sondern hat viele Jahre gedauert. Die Erste Patenteinreichung fand schon am 24. März 2002 statt.
Interessant an der Erfindung des Zifferglases ist die doppelte Wurzel aus der gleichen historischen Grundsubstanz. Sowohl das klassische Zifferblatt, als auch das Glas selbst stammt aus dem alten Ägypten.
Um die Geschichte des Zifferblatts nachzulesen, verweisen wir auf unser Buch „Die Philosophie der Zeit“, Kapitel 33, Seite 232. Unser heutiges Zifferblatt der klassischen Armbanduhr geht
zurück auf die Zifferblätter an öffentlichen Plätzen im alten Ägypten, wo mit Hilfe einer Wasser-uhr die Zeit berechnet wurde und ein Hüter der Zeit, jede Stunde, einen Zeiger vor einem übergroßen Zifferblatt um eine Stunde weiter stellte.
Da nicht nur das Zifferblatt im alten Ägypten erfunden wurde, sondern auch das Glas an sich, treffen sich hier zwei Elemente aus derselben Kinderstube und ergeben ein neues Element für die klassische Uhr: Das Zifferglas.
Die Glasmanufaktur von Niveau élevé, Gold-in-Glas in Südindien, ist stolz bei der Entwicklung dieses „siebten Elements“ einer klassischen Uhr, einen Beitrag geleistet zu haben.
Dass ein transparentes Glas, welches zur gleichen Zeit und am selben Ort geboren wurde wie die Einteilung der Zeit, das Zifferblatt, mit diesem zu einer Einheit verschmilzt, zu dem „Zifferglas“, und dass dieses neue Element im Umfeld der Zeit, wiederum im Umfeld des Matrimandirs, eines ganz und gar außergewöhnlichen Gebäudes, entsteht, ist kein Zufall. Hier sind Parallelen vorhanden, die man zwar nicht erklären, aber auch nicht übersehen kann. Das Zifferglas, im Gegensatz zum Zifferblatt, hält die Einteilung der Zeit in voller Transparenz und erlaubt uns durch die Zeiteinteilung auf den Fluss der Zeit zu schauen, auf die sich bewegenden Zeiger. Das Zifferglas als Träger der Struktur der Zeit, eine Flüssigkeit, deren Zeit stehen geblieben ist, durch die hindurch wir unser Geschehen, unseren Zeitablauf, unser Leben wahrnehmen, hat eine große Symbolkraft.
Um die Tiefe dieser Symbolik richtig erfassen zu können müssen wir ein bisschen ausholen. Was sind wir selbst eigentlich? Wir selbst, wenn wir es ganz genau nehmen, sind eigentlich nur unser Bewusstsein. Derjenige Philosoph, welcher dies am besten auf den Punkt gebracht hat, ist Descartes, mit seinem so schönen Satz: „Ich denke, also bin ich“. Was steht hinter diesem Satz? Descartes fragte sich „Was bin ich eigentlich?“ In diesem Zusammenhang stellten sich zunächst zwei Optionen:
  1. a) Ich bin mein Körper.
  2. b) Ich bin mein Geist.
Wie kann ich nun feststellen, ob ich primär mein Körper bin, ob mein „ich“ mein Körper ist, oder ob ich mein Geist bin, ob mein „ich“ in meinem Geist angesiedelt ist? Um dies herauszufinden macht Descartes zwei Experimente. Er stellt sich vor, ob er ohne Körper immer noch „er selbst“ sein könnte. Also blendet er in seinem Bewusstsein seinen Körper aus, und stellt fest, dass er immer noch „denkt“, also dass sein Bewusstsein immer noch vorhanden ist, er „ist“ immer noch. Dann macht er das zweite Experiment. Er versucht den Geist, das Denken, auszublenden und nur sein Körper zu sein. Und hier verliert er nun sein „ich-Gefühl“. Descartes folgert also, dass sein „ich“, also er selbst, in seinem Bewusstsein angesiedelt ist, und hält dies in dem berühmten Satz fest: „Ich denke, also bin ich“.
Descartes hatte im Prinzip recht: Das „ich“, wir selbst, sind unser Bewusstsein, nicht unser Körper. Doch nun kommt die nächste Frage: Was ist eigentlich unser Bewusstsein? Wenn wir mit ähnlicher Geistesschärfe unser Bewusstsein analysieren, dann liefert eine Bestandsaufnahme des Bewusstseins zunächst zu Tage, dass das Bewusstsein jener Bereich von uns ist, in dem wir die Welt, unser Leben und uns selbst wahrnehmen. Das Bewusstsein ist das Instrumentarium, durch welches hindurch das „Selbst“ die Geschehnisse, also den Ablauf der Zeit, erfährt. Das Zifferglas ist von seiner Symbolik her nun exakt dasselbe. Es ist jene Instanz durch welche hindurch wir den Ablauf der Zeiger, also den Fluss der Zeit wahrnehmen, welche unsere Wahrnehmung in ein System, eine Ordnung, eine Wertung einreiht, welche unsere Wahrnehmung sozusagen erst als das definiert was sie für uns ist. Ohne das Zifferglas würden wir zwar die Zeiger sehen, aber ohne zu wissen wo sie stehen, wäre ihre Wahrnehmung bedeutungslos. Erst die Wertung macht die Wahrnehmung zu dem was sie ist. Es ist also das Zifferglas, welches in der Welt der Zeit, oder in der Welt der Uhr, symbolisch für unser Bewusstsein steht und damit symbolisch für uns selbst.
Die Tatsache, dass das Zifferglas in den Uhren von Niveau élevé über den Zeigern steht, also über dem Ablauf der Zeit, und nicht dahinter, ist die ganze Kernaussage der Philosophie der Uhr von Niveau élevé. Es ist die Tatsache, dass wir uns selbst über den Ablauf des Geschehens stellen, dass wir selbst nicht mitgerissen werden von den äußeren Umständen, dass wir versuchen unsere Identität und unsere Integrität, unsere Unabhängigkeit, zu bewahren. Wir sind wir selbst, wir sind die primäre Instanz. Die Geschehnisse, unsere Zwänge, Verpflichtungen, Umstände, liegen tief darunter und berühren uns nicht. Wir stehen über dem was abläuft. Das Fehlen von Problemen ist keine Vorbedingung der Freude, die äußere Ruhe keine Bedingung für die innere Ruhe.
Wir sind Herr unserer Zeit.
Niveau élevé