Introsistence

Verinnerlichung

Das Wort Introsistence ist eine Wortschöpfung. Es enthält die lateinische Wurzel „sistere“, wie das Wort Existence. Letzteres setzt sich zusammen aus „ex“ und „sistere“. Ex = aus, heraus und sistere = stehen. Das Wort „existence“ (zu Deutsch: Existenz) bedeutet „herausstehen“, also aus der Nicht-Existenz herausstehen in das Sein. Bildlich gesehen steht also alles, was existiert, wie ein Spargel aus der Nicht-Existenz in das „Sein“ hinein. Das Wort „Introsistence“ deutet die gegenteilige Richtung der Existenz an, das „Hinein-Stehen“ in das Innere. Introsistence bezeichnet also das „wach sein im Inneren“, das „in die inneren Welten hineinragen“, das „sich der inneren Welten bewusst sein“.
Es ist eigenartig, dass wir uns im Allgemeinen relativ wenig mit unserem eigenen Inneren beschäftigen. Wir sind so vom Äußeren fasziniert, so fokussiert auf unsere Existenz in der physischen Welt, dass wir die inneren Räume, die uns zur Verfügung stehen würden, kaum ausloten. Sich systematisch nach innen zu wenden und zu sehen wie unsere inneren Räume, die unser Bewusstsein erschließen kann, aussehen, welche „nicht-stofflichen“ Elemente uns dort begegnen, wäre ja eigentlich eine der faszinierendsten Unternehmungen, die man sich vorstellen kann. Würde hinter unserem Haus, hundert Meter von unserem äußeren Lebensmittelpunkt, ein Areal sein, von dem wir nicht wüssten, was sich dort befindet und niemand wäre je dort gewesen, so hätten wir längst nachgesehen, wären hingegangen und würden erst locker lassen, wenn wir Klarheit hätten was dort abläuft. Doch diese natürliche Neugier erstreckt sich nicht automatisch auf uns selbst, obwohl wir uns selbst doch eigentlich wichtiger sein sollten als eine Gegend in unserem äußeren Umfeld.
Die Tendenz, unser Inneres zu Gunsten des Äußeren zu vernachlässigen, ist eine Eigenschaft, oder Angewohnheit, die die Menschheit erst in den vergangenen zwei Jahrtausenden entwickelt hat. In früheren Kulturen, wie in jener der alten Ägypter oder der der antiken Griechen, der Kultur der alten indischen oder chinesischen Philosophie, war das Innere zumindest gleichberechtigt, wenn nicht sogar wichtiger als das Äußere. Doch mit der Zunahme der Bedeutung des Geldes und der Technik verschwand der Wert inneren Wissens und die äußere Stärke setzte sich durch. Ein Volk, welches technisch, und vor allem kriegstechnisch überlegen war, vernichtete oder unterwarf seine Nachbarvölker, löschte deren Kulturen aus und verbreitete sein eigenes System. Ein hohes Maß an Wissen über unsere Psyche oder okkulte Struktur war im Existenzkampf dem technischen oder wirtschaftlichen Wissen unterlegen. Oder ganz banal auf die menschliche Ebene bezogen: Ein Typ mit einem großen Haus, einem guten Pferd und einer gefüllten Speisekammer hatte größere Chancen das Herz der Dorfschönheit zu erobern, als ein Typ der gut meditieren konnte, aber sonst nicht viel hatte.
Heute, in einer Zeit, in der in den gut entwickelten Gesellschaften der Existenzkampf nicht mehr im Vordergrund unseres Lebens steht, hätten wir eigentlich die Möglichkeit uns wieder unserem Inneren zuzuwenden. Wir müssten nicht weniger essen, wenn wir täglich eine Stunde unserer Zeit dem Studium von uns selbst widmen würden.
Doch abgesehen von dem Bereitstellen einer „Auszeit vom Äußeren“ zählt vor allem die innere Haltung. Das laute und pompöse äußere Auftreten durch ein nach innen gewandtes Lächeln zu ersetzen, innere Substanz zu haben, in der Lage zu sein unsere inneren Welten zu dominieren, nicht nur unsere äußeren, Herr über die eigenen Gefühle und Gedanken zu sein, der inneren Freude den maximalen Raum geben zu können, dies sind Eigenschaften die wieder zählen. Ob wir uns zwei Croissants oder zwanzig zum Frühstück leisten können, ist für unsere Lebensqualität unerheblich. Aber ob wir uns über alles, was uns begegnet, freuen können, oder schon am Morgen von einem Nörglertum erfasst werden, welches wir den ganzen Tag nicht mehr los werden, dies ist für die Qualität unserer Zeit das, was zählt.
Die Kunst des „nach Innengehens“ ist also wieder modern und gewinnt selbst im äußeren Bereich wieder an Bedeutung. Oder ganz banal ausgedrückt, ein Mann mit innerer Substanz, in sich selbst ruhend, mit Weitblick und Einfühlungsvermögen, hat heute vielleicht doch auch Chancen das Herz der Dorfschönheit zu erobern, verglichen zu jemandem der erfolgreich ist aber nur in Äußerlichkeiten lebt.
Die Introsistence steht für die Kunst aus dem Inneren heraus zu leben, die Feinheiten zu erkennen, die wahre Schönheit in ihrer inneren Tiefe zu entdecken und nicht an der Oberfläche zu suchen. Sie baut auf die Faszination an der Harmonie feiner Relationen. Sie weist in ihrer Schlichtheit auf das hin, was noch unbekannt, noch unentdeckt ist. Derjenige, der alles was er hat zur Schau stellt, demonstriert, dass er nicht mehr hat als man sieht und fordert auf, ihn an der Oberfläche zu treffen. Derjenige, der nur wenig an die Oberfläche verlegt, weist auf den unausgeloteten Reichtum hin, der sich dahinter befindet und fordert auf, ihn in Bereichen zu treffen, die sich nicht im äußeren Erfolg erschöpfen.
Die Introsistence ist die Uhr für diejenigen, die einen Sinn für die Tiefe der Ästhetik haben, die in einer Kombination von 3, 4 Elementen mehr Kraft entdecken können, als in der Kombination von 25 Elementen. Sie setzt auf die Feinheit von Elementen nicht auf deren Massivität. Sie deutet an anstatt sich zu erschöpfen. Sie fordert auf zu entdecken anstatt hinzunehmen. Es ist die Uhr für diejenigen, die die Faszination an dem, was hinter der Oberfläche verborgen sein könnte, in ihrem Alltag noch nicht aufgegeben haben.
Die Gehäuseform der Introsistence wird vom Zentrum her nach außen hin schlanker, und wenn eine Variation eines Brillantschliffs in der Krone verarbeitet ist, dann ist dieser Stein verkehrt rum eingearbeitet, weist also mit der „Krone“ nach innen, zum Zentrum. Dies ermöglicht den Blick ins Innere des Diamanten und enthüllt unter der Kaleidoskoplupe das Wesen des Steins, eine reich facettierte Blüte.
Der Zeigerhintergrund ist meist schlicht gehalten und entweder ausgefasst mit Diamanten, Saphiren, Smaragden oder Rubinen, oder mit einem Strahlen-Schimmer versehen, der sogenannten „Sun-Dial“.