Was sind wir? In unserem äußeren Leben sind wir alles Mögliche, nur nicht das, was wir wirklich sind. Wir alle haben in unserem tiefsten Inneren eine Sehnsucht. Ein Verlangen nach etwas, das so weit weg ist von unserem momentanen Leben, dass wir es kaum mit Worten ausdrücken können. Manchmal sind wir diesem „Etwas“ sehr nahe. Dann bricht in einem Moment, in dem wir unseren Alltag hinter uns lassen können, plötzlich ein Gefühl durch, welches uns einen Ausblick auf etwas so phantastisches gibt, dass wir alles aufgeben würden, nur um dorthin zu gelangen.
Jenen Punkt ohne Ort, jenen Zustand erreichen zu können, ihn in seiner vollen Intensität leben zu können, wäre die Erfüllung, die alles überstrahlt, was wir kennen. Diese esoterische Welt, die uns ab und zu mal einen klitzekleinen Einblick in sich gewährt, ist wohl das, was die großen Religionsstifter als Paradies bezeichneten. Das Gefühl der absoluten Freude und Geborgenheit, der unendlichen, alles erfassenden Weite, ist aber vermutlich gar kein Ort im Jenseits, kein Paradies, welches auf den religiösen und spirituellen Landkarten irgendwo eingezeichnet ist. Es ist gar nicht so weit weg, so unerreichbar, so ungreifbar. Es ist wahrscheinlich ein Teil von uns selbst. Vermutlich sogar unser wesentlichster Teil, unser wahres Selbst.
Wenn wir von der Tiefe der Erkenntnis des chinesischen Tao ausgehen, oder von den Erkenntnissen beschrieben in den alten Veden und Upanischaden, dann ist dieses phantastische „Etwas“ sogar nicht nur das Wesen von uns selbst, sondern das Wesen von allem, was es gibt.
Nur haben wir es zugelassen, dass unser Leben, unsere Zeit, angefüllt ist mit allem Möglichen, das uns den Blick auf die wahre Natur unserer selbst verdeckt. Unser Leben, oder ganz konkret gesagt, unsere Zeit, gehört nicht mehr uns. Sie gehört unseren Verpflichtungen, unseren oberflächlichen Wünschen, unseren Problemen.
Wenn wir von „uns selbst“ sprechen, dann bedeutet das zunächst mal, im ganz pragmatischen Sinne, „unser Bewusstsein“, also alles, was wir empfinden. Letztendlich ist unser „Selbst“ unser Leben, bzw. unsere Zeit. Doch haben wir schon lange die Kontrolle über unsere Zeit verloren und so leben wir nicht uns selbst, sondern wir leben unsere Verpflichtungen. Wir leben unsere Probleme, unsere Bemühungen um einen bestimmten Status, wir leben unsere Klischees.
Time is mine! ist nicht gedacht als Beteuerung, dass wir den Oberflächlichkeiten, die unser Leben bestimmen, jetzt auch noch die Tür zu unserer Zeit aufsperren. Time is mine! ist ein Leitspruch für das Projekt der Zurückeroberung unserer eigenen Zeit, unseres Bewusstseins und damit unserer selbst. Das Ziel wäre es, gereinigt von all dem vordergründigen Ballast, das frei zu legen, was wir wirklich sind. Unsere Zeit sollte von unserem Selbst dominiert werden, nicht von den äußeren Umständen. Dabei sollten wir den Fehler vermeiden, mit Änderungen im Äußeren unser Inneres verändern zu wollen. Der umgekehrte Weg ist effektiver. Wenn wir im Inneren Veränderungen vornehmen, folgt das Äußere ganz automatisch. Wir verändern uns selbst, wenn wir unsere Zeit zurück erobern. In dem wichtigsten Raum, den wir besitzen, in unserem Bewusstsein, sollten wir selbst regieren, nicht der Alltag. Denn dies ist der Raum, in dem sich unser Leben abspielt!